Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einführung in das Studium
Quellenerschließung
Um den wissenschaftlichen Umgang mit Quellentexten zu erleichtern und ihre Bearbeitung auch außerhalb des Archivs möglich zu machen, werden in der Forschung verschiedene Hilfsmittel (Editionen, Regestenwerke und Quellenkunden) entwickelt. Einige von ihnen werden in diesem Kapitel vorgestellt. Als praktischer Bezugspunkt soll uns dabei die bereits bekannte Handschrift der Vita Udalrici Gerhards dienen.

"Als am 31. Januar im Lateranpalast eine Synode stattfand, in Anwesenheit des heiligsten Papstes Johannes mit den Bischöfen und Priestern, im Beisein der Diakone und des ganzen Klerus, erhob sich der ehrwürdigste Liutold, Bischof von Augsburg, und sagte: "Herr, heiligster Vater, wenn ihr und alle hier anwesenden Bischöfe und Priester es gutheißt, werde euch das Büchlein vorgelesen, das ich in den Händen halte, vom Leben und den Wundertaten des verehrungswürdigen Ulrich, vor kurzem noch Bischof der heiligen Kirche von Augsburg (...)". Dieser Satz stammt aus der Abschrift einer päpstlichen Bulle vom 3. Februar 993, in der die Kanonistation des Bischofs Ulrich von Augsburg unter Papst Johannes XV. beurkundet worden sein soll (MG SS IV 378 / Übersetzt von F. X. Bischof). Es handelt sich um die erste, uns überlieferte offizielle Kanonisation eines Heiligen durch einen Papst. Auch wenn über die Echtheit der Bulle noch nicht abschließend diskutiert wurde, muss die Kanonisation spätestens in der zweiten Hälfte des 11. Jh. in irgendeiner Form schriftlich dokumentiert und im Bewusstsein der Zeitgenossen präsent gewesen sein, denn die Heiligsprechung wurde damals von einem Schreiber in die einzige erhaltene Abschrift der Augsburger Jahrbücher (MGH SS 3, S. 278) übertragen.
Arbeit mit wissenschaftlichen Hilfsmitteln im Archiv
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