Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einführung in das Studium
Urkundenlehre (Diplomatik)
In unserem Film wurde eine Urkunde wissenschaftlich analysiert. Die Methoden zur text- und quellenkritischen Analyse von Urkunden werden dem Historiker durch die Urkundenlehre (Diplomatik) zur Verfügung gestellt. In der Geschichtswissenschaft bezeichnen wir mit dem Begriff 'Urkunde' "ein in bestimmten Formen abgefasstes, beglaubigtes und daher verbindliches Schriftstück, das ein Rechtsgeschäft dokumentiert" (Goetz).
Die Urkunde hat ihre historischen Wurzeln in der Antike und war während des gesamten Mittelalters in Gebrauch. Das Spektrum mittelalterlicher Urkundenaussteller reicht vom Kaiser bis zum Privatmann.

Als schriftlich fixierte Zeugnisse vollzogener Rechtshandlungen, bildeten Urkunden eine Grundlage zur Legitimation von Rechtsansprüchen. Diese spezifische Funktion bedingte im Laufe des Mittelalters die Entstehung zahlreicher Urkundenfälschungen. Gleichzeitig begann man damit, nach Kriterien zur Überprüfung der Echtheit von Urkunden zu suchen.
Die Begründung der "Diplomatik" als Wissenschaft sieht die Forschung allerdings erst im 17. Jh. Damals hatte sich der französische Benediktinermönch Jean Mabillon neben anderen wissenschaftlichen Tätigkeiten auch der systematischen Beschäftigung mit Kriterien zur kritischen Untersuchung von Urkunden zugewandt. Aus seinen Bemühungen erwuchs eine erfolgreiche Schrift mit dem Titel 'De re diplomatica libri VI', die der Diplomatik schließlich ihren Namen gab. Eine digitalisierte Fassung des Werks, bietet die Staatsbibliothek zu Berlin.
Wissenschaftliche Analyse einer Urkunde
Seite 1 von 6<< >> Handschriftenlesesaal> Urkundenlehre