Mittelalterliche Geschichte

"Oft habe ich lange hin und her gesonnen über den Wandel und die Unbeständigkeit der irdischen Dinge, ihren wechselvollen, ungeordneten Verlauf (...). Von Rom auf die Griechen, von den Griechen auf die Franken, von den Franken auf die Langobarden und von den Langobarden wieder auf die deutschen Franken übertragen, ist das Römische Reich nicht nur altersschwach und vergreist, sondern es hat sich durch seine Unbeständigkeit (...) vielerlei Schmutz und mannigfache Schäden zugezogen", urteilte der Bischof Otto von Freising (1112 - 1158), in seiner Weltchronik, der "Chronica sive Historia de duabus civitatibus".
In ihr gliederte der Bischof die Geschichte der Menschheit von der Erschaffung der Welt bis zur eigenen Gegenwart in sieben verschiedene Zeitabschnitte. Otto arbeitete Kontinuitäten und Brüche zwischen der Geschichte antiker Reiche und der des römisch-deutschen Reiches heraus und führte die gewonnene Sichtweise auf einen übergeordneten göttlichen Heilsplan zurück.
Auch Otto von Freising war also gewissermaßen Historiker und dachte über Ereignisse nach, die wir heute als Mittelalterhistoriker untersuchen.
Wie wir selbst, suchte er historische Ereignisse und Prozesse dabei räumlich und zeitlich voneinander abzugrenzen. Doch lag seinen Überlegungen eine Vorstellungswelt zu Grunde, die sich von unserer in vielerlei Hinsicht unterscheidet.
Dieser Unterschied beginnt bereits bei dem Begriff "Mittelalter" selbst, den Otto nicht kannte.
Otto von Freising, Detail eines Triptychons (um 1490), Stift Klosterneuburg