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Im nächsten Schritt soll es darum gehen zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen unsere Quellen verfasst wurden und in welchem räumlichen und zeitlichen Kontext sie einzuordnen sind. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sich Zielsetzungen des Schreibers auf den Inhalt eines Textes auswirken. Chronik, Annalen und Vita sind Quellen, in denen jemand absichtlich von etwas berichtet, um Nachlebende über bestimmte Ereignisse in Kenntnis zu setzen. Solche Quellen werden in der Forschung gemeinhin als Traditionsquellen bezeichnet. Sie sind inhaltlich von der Absicht des Verfassers oder des Auftraggebers geprägt, Vergangenes aus einem bestimmten Blickwinkel heraus für die Nachwelt zu überliefern und zu deuten.War die Quelle hingegen nicht mit der Absicht verfasst, anderen nachträglich eine gewisse Sicht über Ereignisse zu vermitteln, sondern ging unmittelbar aus dem Lebensvollzug hervor, zählt sie zu der Quellengruppe "Überrest". Typische Quellen aus dem Bereich Überrest wären etwa Sachquellen, wie die Überreste der Burg in Canossa, oder Verwaltungsschrifttum, wie Güterverzeichnisse und Urkunden. Bei solchen Kategorien handelt es sich nicht um Definitionen, in die unsere Quellen nun 'zwanghaft hineingepresst' werden müssen, sondern vielmehr um Richtlinien an denen wir uns bei der Beurteilung orientieren können. Der Brief Gregors VII. beispielsweise wurde nicht für die Nachwelt aufgeschrieben, bezeugt jedoch klar die individuelle Sicht des Papstes auf die Ereignisse in Canossa. |
Burgruinen in Canossa |